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(1) Lepid Optera
Mon, 2 December 2019 09:31:26 +0100
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Schulden und Schuldigkeit

„...Alle sieben Jahre sollst Du ein Erlaßjahr halten...Wenn einer seinem Nächsten etwas borgt, der soll’s ihm erlassen, und nicht eintreiben von seinem Nächsten oder Bruder...Von dem Fremden darfst Du es eintreiben, aber dem der Dein Bruder ist, sollst Du es erlassen....dann wirst Du vielen Völkern leihen, doch Du wirst von niemandem borgen, Du wirst über viele Völker herrschen, doch über Dich wird niemand herrschen...“; soweit ein Abschnitt aus dem 5-ten Buch Mose 15

Hiermit ist die jüdische Rechenhaftigkeit in ihrer unerbittlichen Gesetzlichkeit eines Shylock gegeben, wobei der Forderung des Kaufmanns von Venedig (Kaufman ist überdies auch noch ein weltweit häufiger jüdischer Name) Folge zu leisten ist, nicht bloß deswegen, weil es ein vertraglich zugesichertes Recht des Kreditgebers ist, sondern weil die Schuld eine Schuld auf die Ehre Gottes darstellt. Der Schuldner ist nicht nur in geschäftlicher, oder juristischer, Hinsicht in der Bringschuld, sondern geradewegs ein Sünder wider Gottes Ordnung, wenn er ihr nicht Genüge tut. Damit kommt eine neue überhöhte Qualität hinzu. Das Schuldverhältnis ist nicht nur, zum Einen lebenslang nicht aufhebbar, wegen des uneinholbaren Rückstandes des real möglichen Erwerbs gegenüber der Potenz moderner Finanztransaktionen, sondern auch, zum Andern, charakterisiert durch ein Gefälle der Macht.
Das moralisch entsprechend aufgeladene Recht des ‚Einholens’ des Zinses, auf höherer Ebene, steht dem auf basaler Ebene, entsprechend moralischen Recht, und Pflicht des ‚Erbringens’ der Schuldigkeit gegenüber. Darin besteht die Pervertierung der leistungsethischen Prinzipien der Hol-Pflicht und Bring-Schuld.

Wer nicht glaubt, daß es in der gegenwärtigen Verfassung der Wirtschaftsordnung nicht etwa um das Begleichen von Schulden zu tun ist, sondern die dauerhafte Bindung des Menschen im Schuldverhältnis zu bewerkstelligen, sollte einmal die Verflechtung von Gläubigern und Inkassounternehmen in Betracht ziehen. Es ist mittlerweile regelmäßig üblich, nicht nur von Seiten privater Gläubiger, sondern auch bei Einrichtungen des öffentlichen Rechts, bis hinauf auf die transnationale Ebene der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfond (IWF), Außenstände von eigenständigen Inkasso-Instituten eintreiben zu lassen, die selbst wiederum als privatwirtschaftliche Finanz-Institute und Rating-Agenturen in keinster Weise demokratisch legitimiert sind.. Diese Branche definiert ihre raubgierige Rechenhaftigkeit zur ‚humanitären Rechtschaffenheit’ um, und setzt sich damit über jedes natürliche Völkerrecht. Das vorgebliche Ziel, nämlich die Begleichung von Schulden, ist aber nicht das eigentliche Ziel, sondern tatsächlich deren Verzögerung. Da im Verlaufe des Verfahrens Gebühren jeglicher Art, Mehraufwendungen und Mahnungen eine wesentliche Quelle des Inkassowesens sind, kann niemand der Beteiligten, außer der Schuldner, ein wirkliches Interesse an der Begleichung von Schulden haben, solange der Schuldner im Netz der Zahlungsverpflichtungen gehalten werden kann. Eine Kultivierung der Scham gegenüber Schuldverhältnissen sorgt für die zuverlässige Verschwiegenheit in den kreditbasierten Wirtschaftsprozessen. Die Eskalierung in Gestalt öffentlicher Gerichtsverfahren wird von allen Beteiligten gescheut, und eben diese Tatsache sorgt dann zuverlässig für das Dunkelfeld der moralischen Fragwürdigkeit, das alle Beteiligten in fataler Weise aneinander bindet. Über Geld wird eben nicht gesprochen, und im Besonderen nicht, wenn man es nicht besitzt, sondern schuldet.

Eine Kritik an der zinsbasierten Ökonomie ist immer schwierig zu bewerkstelligen, da Schulden als Voraussetzung für den steigenden Wohlstand angesehen werden. Zumindest wenn der Wohlstand am bloßen Zuwachs im Erwerb von Dingen gemessen wird. Nur wird dabei übergangen, daß die Vorleistung zu der ein Investor mit Hilfe von Krediten, über seine eigenen Möglichkeiten hinaus, in der Lage ist, zuvor durch eine enorme Umverteilung des Vermögens von unten (den Kleinsparern) nach oben (des Großinvestor als Kreditgeber) ermöglicht wird. Die Zunahme von Wohlstand des Einen wird durch die Abwälzung der Risiken auf die breite Basis der Anderen erreicht. Kürzer ausgedrückt, der Reichtum der sogenannten Industrienationen, die mittlerweile Dienstleistungsnationen sind, ist die glänzende Seite der Medaille, deren Rückseite die Ausbeutung der sogenannten ‚Dritten Welt’ ist, bzw. ein Kredit auf die Zukunft, wie es an der Veränderung des Weltklimas noch zu erwarten ist. Bildlich noch deutlicher, muß der Vergleich mit dem ‚Schneeballsystem’ herangezogen werden, innerhalb dem der Zugewinn an einer Spitzenposition nur durch die Verteilung der Risiken an einer breiten Basis erreicht werden kann.
Schulden müssen doch stets wieder abgedient werden, von den anderen weniger Skrupellosen oder der künftigen Generation, oder durch massive Störungen des ökologischen Gleichgewichts, wegen der unersättlichen Gewinnung von Rohstoffen, und Ablagerung von unverwertbarem Müll.

Wie wurden die Völker Stück für Stück in die Tretmühle der Verschuldung gebracht?
Neben den Mitteln des Krieges, der Ausbeutung, Entwurzelung und Verelendung der Völker, tritt nunmehr die sanfte Strategie des philanthropischen Kapitalismus auf den Plan. Über die strukturelle Entwicklungshilfe und die Gewähr von Mikrokrediten, wird das regionale ökonomische Gefüge unterminiert, und als minderwertig stigmatisiert. Der Aufbau hochtechnisierter Infrastruktur (Rohstoffgewinnung, Transportwege, Daten-Vernetzung) sorgt für die Anbindung der abgelegendsten Regionen, die bislang in Ökonomien der Selbstversorgung bestanden, an das Welthandelsnetz. Auf das internationale Börsenparkett gezerrt, lernen die Menschen (sie müssen es), sich in die Zinses-Zins-Finanzwirtschaft, von Verschuldung und Schuldendienst, zu fügen. Die regionalen Produkte und Dienstleistungen treten von nun an in einen mörderischen Wettbewerb mit den beschleunigten Strömen der Waren, Finanzen und Daten der ganzen Welt. Auf diese Weise ereignet sich die Ablösung der nationalen Erwerbszweige von ihrer ursprünglichen Herkunft, sie werden zu wurzellosen Import- und Exportartikeln (z.B. kann sich Griechenland die Bedienung des Schuldendienstes für Eurofinanz, gewiß nicht mit dem historisch gewachsenen Olivenanbau leisten; die familiär geführten Betriebe gehen zugrunde, und Oliven werden zu einem Import-Artikel aus Übersee– ins Land der Oliven)

Wie aber gelang die Transformation des Schulden-Begriffes schließlich von einer ökonomischen zur moralischen Kategorie?
Die Beglaubigung ursprünglich auf den ‚Gläubiger’ gerichtet, wurde durch den überhöhten Bezug des „Volkes Gottes“ der Juden in allen Lebensbereichen direkt in die Nähe der göttlichen Sphäre gerückt. Der ihnen verpflichtete ‚Schuldner’ wurde damit in die Tiefe einer existenziellen Schuldigkeit gestoßen, gleichsam als ob er sich gegen Gott selbst etwas zuschulden kommen hat lassen. Jede Handlung, die im Politischen oder Ökonomischen den Interessen der talmudistischen Finanz-Elite widerspricht, pervertiert bei den Völkern und Nationen fortan in ein andauerndes schlechtes Gewissen. Eine durch Zins- und Zinseszins auflaufende Schuld erzeugt den Druck einer schier uneinlösbaren Verschuldung, und gleicht einem aus sich selbst ausweitenden Fluch, der sich über die Menschheit legt, die ihren Schuldendienst durch Leistungssteigerung büßen hat (exponentielles Wirtschaftswachstum); der sich über die gesamte Natur legt, die sich restlos als Ressource den Begehrlichkeiten der Eliten zur Verfügung zu halten hat (Einbindung aller Lebewesen in den Verwertungszirkel)
„Der Geniestreich des Christentums besteht darin, daß Gott selbst sich für die Schuld der Schöpfung opfert; Gott also sich selbst an sich bezahlt macht, und den Menschen ablöst, wofür der Mensch aus sich heraus unablösbar verschuldet ist. In Jesus opfert sich der Gläubiger seinem Schuldner - aus Liebe zu seinem Schuldner!“