PostHeaderIcon Bericht von Raymund Heim – 50 Jahre Mitglied im SVO

50 Jahre einem Verein die Treue zu halten, setzt voraus, dass der Verein etwas besonders an sich
haben muss. Für meine Frau und mich hat die Freundschaft zu einem Mitbegründer des SVO dazu
geführt, dass unser gesamter Lebensverlauf eine völlig andere Entwicklung nahm, als wir es uns hätten träumen lassen. Alfred Persson brachte uns auf dem Dümmer See auf unserem Faltkatamaran das Führen eines Segelbootes bei. Das lief parallel zu dem theoretischen Unterricht für den Segelschein A des DSV. Im Winter sollte die Prüfung stattfinden. Auch das klappte, weil er eine Prüflizenz hatte. Damals konnte jeder C-Schein Inhaber Prüfungen abnehmen, wenn er und die Prüflinge einem DSV – Verein angehörten. Das klappt, sagte er und Erwin und ich fuhren die 500 km von Münster nach Orth um in den SVO einzutreten. Fein im Blazer und grauer Hose und mit geputzter Nase stellten wir uns dem Vorstand und der Versammlung vor. „Bitte warten Sie draußen!!
Wir werden einen Beschluss fassen“ Einstimmig wurde unser Begehren abgelehnt. Die Reise hatten wir umsonst gemacht. Nach diesem niederschmetternden Ereignis sind wir aber nach Beendigung der Versammlung im Seegarten vom 1. Vorsitzenden, Herrn Fred Jark, noch geblieben um unsere Enttäuschung in gut gezapftem Bier zu ertränken. Gegen 03:30 Uhr in der Winternacht rief Frau Inge Rehbock alle anwesenden Vereinsmitglieder erneut zusammen. Der gesamte Vorstand war noch anwesend. Dann wurde erneut abgestimmt. Wir wurden für ein Jahraufgenommen, um gegenüber dem DSV die Form zu wahren. Unsere Prüfung wurde legalisiert und unsere Scheine überreicht. In dem Jahr haben wir dann das erste Jahr Urlaub in Orth gemacht. Unser Entschluss stand fest: Hier ist unsre neue Freizeitheimat. Das wurde dann noch gefestigt durch ein Schreiben vom 1.12.1966. Die Seglervereiniung Orth auf Fehmarn an Herrn Raymund Heim: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Vorstand auf seiner letzten Sitzung, trotz Aufnahmesperre, Sie als neues Mitglied ab 1.1.1967 zu führen“, so auch Erwin und die anderen Herren. Aufnahmebeitrag von 50,-DM sofort zu entrichten. Was ist aus dieser sturmumtobten Nacht geworden? 50 Jahre Mitgliedschaft! Mitglied einer wunderbaren Gemeinschaft. Es führt zu weit, jetzt darüber zu berichten.
Nur noch ein kurzer Abriss unseres Seglerlebens. Mit einem Faltkatamaran begannen wir. In einer Scheuen in der Nähre von Münster, Bau eines 16 qm Jollenkreuzers und damit nach Orth. Luten Sven sagte zu Persson Senior: „Dat is noch een schipp wa?“ und strich mit seiner großen Hand über den lackierten Rumpf. So stolz war ich damals, dass ich das heute unbedingt erwähnen muss. 16er zu klein für Familie! Also verkaufen. Existenzverlegung nach Hamburg. Dichter nach Fehmarn. In Wedel verkaufte der eine Hafenmeister seinen 30qm Jollenkreuzer. Hier in Orth bekannt. Manche sagen berüchtigt. Eine Spezialität war zu der Zeit das Nachtsegeln um die Sonne auf See aufgehen zu lassen. Auch machte jemand seine Hochzeitsreise damit. Jollenkreuzer auf See ist nicht gut, da nicht sicher. Vereinskamerad Heinz Rehbock segelte zu der Zeit eine Bianca 27. Tolles Boot. Er kam aus Dänemark zurück und berichtete, dass eine Bianca 27 Baunummer. 1 in der Werft von Holger Christensen zu verkaufen sei. So lag also bald das Boot in der Kehre an dem von Heinz Rehbock initiierten Liegeplatz. Mit Zeichnung, Belastungsberechnung usw.. Nach sehr schöner Zeit mit diesem Boot stiegen wir um auf eine uns gut bekannt Victoria 31 aus Holz und versahen diese mit einem halbgedeckten Steuerstand. Sah nicht so toll aus, aber war sehr praktisch. Vor allem auf der Reise zu den Aland Inseln. Dort waren gleich drei Boote des SVO ohne Absprache eingetroffen. Von wegen nur Gesellgkeisverein. Es wurden beachtliche Reisen von hier aus gestartet. Denken wir nur an „Moni“ von unserem so früh verstorbenen Vorsitzenden Klaus Eve. Die Kleinkinder sind heute ausgezeichnete Langfahrtseglerinnen. Später entstand dann bei uns der Plan, länger auf dem Boot zu leben. Also nochmals ein Wechsel. Wir fanden in Holland unser Traumschiff, eine Danish Flower 31. Ein Boot mit geschlossenem Ruderhaus für Langfahrt sehr geeignet. Mit „Avalun“, so der Schiffsname, machten wir ausgedehnte Reisen in Mittelmer, nach Vasa, Norwegen und England, um 1992 endgültig zu starten. Einmal rund Nordatlantik. Haben wir auch gemacht. Aber gerade, als wir uns in Venezuela entschlossen hatten, mit einem anderen Ehepaar auf der Barfußroute due Welt zu umrunden, hat der liebe Gott mit dem Zeigefinger gedroht. Sissy, 1. Offizier, bester Wachgänger, Schiffsköchin mit großem Mut und Selbstverständnis, überlebte ein Aneurisma. Nach der Wiedereingewöhnung mit der verbliebenen Behinderung bestand sie darauf, die einmal begonnene Reise zu beenden, wie ursprünglich geplant. Und so hatten wir 2001 einen glücklichen Landfall in Hamburg-Finkenwerder. „Alvalun“ wurde in gute Hände verkauft und liegt jetzt in Stralsund. Wir konnten es aber an Land nicht aushalten. In Ostfriesland haben wir dann unser letztes Boot übernommen. Eine Jouet 1040. Ein Kielschwertboot. Mit dem Typ konnten wir mal wieder durch das europäische Kanalsystem ins Mittelmeer gelangen. Fünf Jahre haben wir da noch Küstensegelei betrieben und uns auf Sardinien besonders wohl gefühlt. Alle Reisen fanden unter dem Stander des SVO statt. Jetzt sind wir endlich auf dem ANTENTEIL UND LEBEN VON UNSEREN ERINNENUNGEN, die besonders wach werden, wenn wir die Bilder aus diesem langen Segelleben sehen.

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